Das “Glaukom” oder auf deutsch der “Grüne Star” ist die zweithäufigste Erblindungsursache in Deutschland. Weltweit sind mehr als 65 Millionen Menschen betroffen und in Deutschland 500.000 bis 800.000. Durchblutungs- und augendruckbedingt kommt es hier zu einem Absterben von Nervenfasern im Auge. Risikofaktoren sind das Alter, ein erhöhter Augeninnendruck, Vererbung und die Zugehörigkeit zu Rassen mit erhöhtem Risiko. Das Entstehen und Fortschreiten des Glaukoms ist in der Regel schmerzlos und verläuft lange Zeit unbemerkt. Zu dem Zeitpunkt, an dem dem Betroffenen selbst etwas auffällt, sind bereits bis zu 70% der Sehnervenfasern irreparabel zerstört.

Daher ist es von entscheidender Bedeutung das Vorliegen eines Glaukoms möglichst früh zu diagnostizieren und zu behandeln, damit es garnicht soweit kommen kann.

Glaukomscreening:

Da es sich in der Regel um eine Erkrankung jenseits des 40. Lebensjahres handelt, sollte - wenn nicht besondere Risikofaktoren in der Familie vorliegen oder das Auge kritische Besonderheiten aufweist - ab 40 (zunächst alle 2 Jahre) der Augeninnendruck überprüft werden. Bei der Hälfte bis 2/3 der Betroffenen ist dieser nämlich über den Normbereich (10-22 mmHg) erhöht. Um auch die Fälle ohne erhöhten Augeninnendruck diagnostizieren zu können, muß zusätzlich eine Begutachtung des Sehnervenkopfes (Papille) im Auge mittels Lupe durchgeführt werden. Durch den Untergang der Nervenfasern im Auge, ist dieser nämlich im Erkrankungsfalle verändert, sozusagen “ausgebeult”. Auf diese Weise ist ein recht gutes Sreening ohne großen Aufwand möglich. Da es sich hier um eine reine Vorsorgeleistung ohne konkreten Krankheitsverdacht handelt, wird diese Untersuchung nicht von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt (Private Kassen zahlen schon), bleibt aber mit 16 Euro in einem verträglichen finanziellen Rahmen.

Gesichtsfeld:

Finden sich Auffälligkeiten, muß als weitergehende Untersuchung eine Gesichtsfelduntersuchung vorgenommen werden. Aufgrund eines bestehenden Krankheitsverdachtes natürlich zu Lasten der Krankenkasse. Bestehen hier typische Gesichtsfeldausfälle, ist die Diagnose “Grüner Star” bewiesen und muß eine Behandlung zur Verhinderung weiterer Schäden erfolgen.

Probleme:

Obwohl so eine große Anzahl von Glaukomen vor einem desaströsen Ende, in Form der Erblindung, bewahrt wird und das obige Vorgehen als absolut notwendig betrachtet werden kann, gibt es jedoch qualitativ einige Einschränkungen:

Der Normbereich des Augeninnendrucks gilt zwar für die meisten Patienten, es gibt aber nicht wenige, die damit nicht treffend klassifiziert werden können. Manche liegen oberhalb und haben gar kein Glaukom (okuläre Hypertension) und manche liegen innerhalb des Normbereichs und haben doch eines (Normaldruckglaukom). Hinzu kommen starke Tagesschwankungen des Augendrucks. Es gibt zum Beispiel Pa- tienten, die nur nachts einen hohen Augeninnendruck haben.

Bei der optischen Beurteilung des Sehnervenkopfes im Rahmen der Netzhautuntersuchung (Augenspiegelung) muß man leider sagen, daß ein nicht geringer Prozentsatz, aufgrund von sogenannten Normvarianten (ungewöhnliche Form), schlecht einzuordnen ist.

Die Gesichtsfelduntersuchung ist stark von der Tagesform des Patienten und seiner prinzipiellen Mitarbeits- fähigkeit abhängig und daher in ihren Ergebnissen durchaus schwankend. Entscheidend ist jedoch, daß beim Auftreten von Gesichtsfeldausfällen schon bis zu 50% der Nervenzellen zerstört sein können !

Frühdiagnostik:

Entscheidend ist es also, den Nervenfaserverlust schon in einem deutlich früheren Stadium zu diagnostizieren, da einmal aufgetretene Schäden nicht reversibel sind. Hier setzen moderne laserbasierte Diagnoseverfahren an. Das derzeit ausgereifteste Verfahren zur direkten Messung der Nervenfaserschichtdicke im Auge ist die sogenannte “Laser Polarimetrie” mit dem “GDX VCC”. Hiermit können Defekte der Nervenfaserschicht bis zu 6 Jahre vor dem Auftreten von Gesichtsfeldveränderungen und teilweise auch schon vor Veränderungen des Sehnervenkopfes nachgewiesen werden. Insofern ist die “Laser Polarimetrie” eine entscheidende Ergänzung der obigen Diagnoseverfahren, um eine möglichst frühe und genaue Diagnose, mit dem Ziel der frühestmöglichen Behandlung, zu stellen. Leider erfolgt auch hier im kassenärztlichen Bereich keine Kostenübernahme.

Beispielsbilder GDX VCC:

Links sind jeweils der GDX-Befund (Nervenfaserdarstellung) und das entsprechende Sehvermögen gegenübergestellt.

Auf dem obersten Bilderpaar zeigt sich ein normales Gesichtsfeld und normal ausgeprägte Sehnervenfasern.

In der mittleren Reihe liegt schon ein starker Nervenfaserverlust (die hellen warmen Farben stehen für dicke gesunde Fasern) und damit eine deutliche Einschränkung vor. Diese wird interessanterweise vom Patienten subjektiv häufig nicht wahrgenommen. Erst eine erhöhte Unfallhäufigkeit erregt den Verdacht.

In der unteren Reihe liegen schon stärkste Ausfälle vor. Jetzt fällt es dem Patienten auch selbst auf. Die endgültige Erblindung ist jedoch jetzt häufig nicht mehr aufzuhalten.

Bei frühzeitiger Durchführung der GDX-Untersuchung hätte man deutlich vor dem Stadium in der mittleren Reihe denNervenfaserverlust bemerkt.

Ablauf der Untersuchung:

Eine Untersuchung mit dem GDx VCC benötigt wenig Zeit, ist vollkommen schmerzlos, blendfrei und ohne lästige Folgen. Sie erfordert keine Weitstellung der Pupille. Der Patient blickt einfach auf die blinkenden Ziellinien im Gerät. Ein unsichtbarer und völlig harmloser Laserstrahl durchleuchtet die Nervenfaserschicht der Netzhaut zweimal. Durch die Veränderung der Geschwindigkeit des Strahls kann das GDx die Dicke der Nervenschicht errechnen. Nach einer kurzen Auswertung werden die Befunde jeder Untersuchung sofort mit einer eingebauten Datenbank, die Normalwerte enthält, verglichen und zum späteren Vergleich abge- speichert. Das Ergebnis kann ausgedruckt werden.